Blog / Framente

Über Erinnerungen und Ghetto-Fäuste.

Ein Besuch in der Heimat bedeutet immer auch Erinnerungen auszugraben. Orte, an denen man viel Zeit verbracht hat. Wege, die man immer wieder gelaufen ist. Zeit mit der Familie. Das tut sehr gut. Sind doch die meisten schönen Momente mit Menschen verknüpft. Ich kann mich an bestimmte Gespräche erinnern. An den ersten Kuss. Bauchkrämpfe vom Lachen oder gemeinsames Trauern bei Freunden. Gemeinsam Zeit verbringen. Neue Dinge ausprobieren. Erlebnisse teilen.

Deswegen hab ich früher angefangen zu schreiben. Gedanken ordnen und mit anderen Menschen teilen. Gleichgesinnte finden. Nun sitze ich in meinem Kinderzimmer. Draußen alles grün - vermischt mit etwas grau. Was mich in den letzten Wochen beschäftigt hat, will ich hier zusammenfassen. ?

Gefunden: Das Treffen mit einem alten Freund. Die Begrüßung von Freunden. Die Verabschiedung von netten Menschen. Ist es nicht die Familie oder die Partnerin, so geschehen oft sehr komische Situationen. Die coole Ghetto-Faust wird mit der offenen Hand erwidert. Umarmung oder nur lockerer Schulterklopfer? Hand geben oder mehr? Mercedes Lauenstein schreibt über seine Sozialphobie. Hilfe, Menschen! Ich würde mich auch sehr über eine EU-Norm freuen. Oder ein Zeichen, damit die Begrüßung nicht zum unterhaltsamen Schauspiel für alle wird. Und was sollen eigentlich diese zwei bis zwölf Küsschen auf die Wange?!

Die stille Choreographie der Beklommenheit ereignet sich für alle Beteiligten und Umstehenden in quälender Zeitlupe.
Jedes Mal schade, wenn ich auf jetzt.de bin. Habe dort so viel Zeit verbracht. Texte veröffentlicht und grandiose Gespräche geführt. Tolle Menschen getroffen und auch viel über mich gelernt. 

Geschrieben: Mal wieder ein paar Einweggedanken. Aus alten Satzfetzen und einem Gefühl von Zufriedenheit. Meine Zeit mit tollen Menschen verbringen zu dürfen. Hier. Mit euch. 

Gehört: Momentan höre ich sehr viel alte Musik. Blumentopf, Kraftklub, OK KID. Alte Alben - oder eher den alten Sound. Liegt es daran, dass man alt wird? Die neue Hip Hop Generation macht mir jedenfalls momentan nicht wirklich Spaß. Vielleicht der neue Song von Fünf Sterne Deluxe. Aber das ist ja auch alte Schule. Nun fehlt noch Dendemann… Dafür landet immer mehr Pop auf der Playlist. Fayzen. Gisbert. Von Wegen Lisbeth ?

Außerdem quillt meine Podcast-Schatztruhe langsam über. Wo früher über Stunden das Radio in meinem Kinderzimmer lief, liegt heute mein iPhone und bringt unterschiedlichste Themen zu mir. Die Herren Böhmermann und Schulz machen Urlaub (und werden auch langsam langweilig), deswegen höre ich dem Nachwuchs zu: PODCAST UFO. Flacher Humor und eine Prise Beleidigungen. Mag ich. Bei den Online Marketing Rockstars (OMR) erfährt man immer wieder kleine Details über Firmen und die Personen dahinter. Besonders gut gefiel mir die Folge mit dem Mit Vergnügen Gründer Matze Hielscher. Der auch einen eigenen Interview-Podcast hat: Hotel Matze.

Während gerade meine Mama zum Kaffee ruft, die Fantastischen Vier ernten, was sie säen, habe ich ein Grinsen im Gesicht. Ich mag dieses Internet. Ich mag seine Blogs und die Menschen dahinter. Die über alltägliche Dinge schreiben. Mich daran teilhaben lassen. Gibt es eigentlich noch Stöckchen?

Hier. Mit euch.

Viel zu kleine Augen. Dunkelgrauer Himmel. Die kalte Luft erschwert das Atmen. Hände graben sich in Hosentaschen. Vor uns leere Gassen. Kleine Cafés werden von dicken Eisentoren verdeckt. Wir sind geflohen. Haben alles liegen lassen. Ein Abschied, der uns leicht fiel. Mein Blick tastet sich an Häuserwänden entlang. Inspiziert jede schwungvolle Kante und sucht ein kleines Lebenszeichen. Um mich herum scheint alles zu schlafen. Wir können dies nicht. Wollen nicht. Und laufen fort. 

Dreck an meinen Schuhen. Kleine Sprünge lassen mich Zebrastreifen überqueren. Zeitungsseiten im Rinnstein und die Telefonzelle hat lange keine Stimme mehr vernommen. Die Bushaltestelle streckt ihre Arme aus. Doch wir sind schneller. Klettern Stufen empor. Neugierig. Atemlos. Haben keine Zeit zu zögern und wollen immer weiter nach oben. Ihr könnt ruhig unten bleiben - dort waren wir schon. Halten Albträume zum Himmel und lassen sie von Tauben entführen. Kein Gedanke an morgen. 

Jeder Schritt in eine andere Richtung. Ein Schatten auf meiner Schulter. Merke, wie sich die Vergangenheit anschleicht. Selbst hier bin ich nicht alleine. Hunderte Kilometer von dir entfernt. Hast dich in einer Jackentasche versteckt und verfolgst mich. Ich traue mich nicht, meinen Kopf zu drehen. Drehe die Musik etwas lauter. Übertöne dein Lachen. Übertöne dich. Eine Hand packt meinen Arm und zieht mich in die Metro. Zu enge Sitze erzwingen eine ungewollte Nähe. Es fühlt sich komisch an, wenn du kein Wort verstehst. Wie eine schräge Melodie. Ich suche nach bekannten Tönen. Spüre sie nicht. Meine Augen wandern durch den Wagon. Hübsche Frauen haben ihre Köpfe gegen das Fenster gelehnt. Ihre Augen geschlossen. Ihre Münder versteckt in bunten Tüchern. 

Raus jetzt. Die Treppen hinunter. An ernsten Blicken vorbei. Straßenlaternen führen uns zum Licht. Metall und Stahl klettern um die Wette. Überholen sich gegenseitig, bevor sie den Himmel streifen. Am Horizont die ersten Sonnenstrahlen. Kriechen unter ihrer Decke hervor. Greifen nach allem, was unerreichbar scheint. Ich lasse mich gerne vereinnahmen. Die Hand auf dem Klavier. Schwarz. Weiß. Kalte Hände spielen das letzte Lied, während ich deine glänzenden Augen erblicke. Du sitzt alleine im Kettenkarussell. Deine wunderschönen Beine baumeln rasch und mein Herz tut es ihnen gleich. Warum tust du mir das an? Bringst mich ein um das andere Mal zum Stolpern. 

Kennst du das Gefühl, wenn viele fremde Gesichter ein Bekanntes formen? Wenn du auf einem Platz stehst und glaubst, die Menschen drehen sich im Kreis. Auf festen Bahnen. Nutzen die selben Worte für die selben Gedanken. Und du gehörst nicht dazu. Kannst ihre Sprache nicht sprechen. Ihre Tänze nicht erwidern. In solchen Momenten bleib ich stehen. Und freue mich dennoch da zu sein. Freue mich zu sein. Hier. Mit euch.