Blog / Framente

Du (musst).

Du musst stark bleiben, du musst tatkräftig sein, du musst das mit der Steuer verstehen und das mit der Versicherung, du musst Freunde haben und Geschlechtspartner, du musst eine Beziehung haben und einen Freundeskreis, du musst ein Hobby haben und es pflegen, du musst die richtigen Sendungen sehen und einen Twitter-Account haben, du musst tausend Follower haben, du musst abonniert werden, du musst kluge Dinge sagen und immer noch ein bisschen wütender sein. Nur du musst

Es ist ruhig hier. Im Netz. Und das ist gut so. Denn wenn man Ruhe zulässt, kann man Dinge hinterfragen. Kann sich klar werden, was man möchte. Erkennt Verhaltensweisen, die man vielleicht gar nicht zulassen möchte. Kathrin Weßling schreibt darüber. Und ihr dürft es lesen.

Die letzten Wochen waren sehr anstrengend. IBM Interactive war auf der CeBIT vertreten. Viele Gespräche geführt, neue Menschen getroffen, alte Bekanntschaften wiedergesehen. Ich genieße es. Und freue mich genau so intensiv auf den Moment, wenn wieder Ruhe einkehrt. Spaziergänge an der Elbe, gemütlich Essen mit Freunden, liebe Worte und ehrliches Schweigen. Oliver Twist auf dem Kindle und Rap in den Ohren.

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche.

Ein Berg voller Abgründe.

Nasser Herbstwind treibt mich durch den Hafen. Die Hände in den Hosentaschen - den Blick zu Boden gerichtet. Graue Einsamkeit flüstert mir seit Stunden ins Ohr. Ich habe kaum geschlafen. Dennoch hängen in meinen Haaren schwere Traumsplitter. Stechen kantig, wenn ich mir durch die Haare fahre. Klappernde U-Bahn-Wagons tragen gestresste Seelen durch die Stadt. Ich bleibe stehen. Suche mit meinem Blick nach Bekanntem. Sehe nur Fremdes. Ein Augenblick in Dauerschleife. Ein Augenblick zu viel. 

“Pass auf dich auf” sagtest du, bevor ich meinen Rucksack packte und davon marschierte. Mein Rücken schultert deine Worte. Ich pass darauf auf. In Gedanken erzähle ich dir von meinen Reisen. Du schaust mich dabei neugierig an. Hast dir deine Haare hinter die Ohren gestreift und trinkst kalten Kaffee. “Ich hätte dich gerne bei mir gehabt” werfe ich vorwurfsvoll in deine halbleere Tasse. Ein Wunsch, der im Schwarz versinkt. 

Wieder fühle ich den Wind auf meiner Haut. Immer und immer wieder die selben Fragen. Immer und immer wieder die selben Antworten. Und trotzdem stehe ich wie ein kleines Kind vor dir. Suchend auf der Jagd nach Erklärungen. Vor mir ein Berg voller Abgründe. Will bestiegen werden, indem man hinunter klettert. Versuche mich an der Hoffnung zu halten, die frei über der Erde schwebt. Ich lasse sie los. Ich lasse dich los. Ich lasse los. Finde im freien Fall den sicheren Sturz. Erkenne in stockfinsterer Nacht jedes Detail. Fassungslos. 

Ein kleiner Junge hat sich neben mich gestellt. Blickt mit abenteuerlichem Blick zu den Schiffen. Schielt dann zu mir herüber. Ich grinse ihm zu. Er lacht zurück. Löst in mir eine Welle von Zuversicht, die wärmend meine Jacke flutet. Irgendwann bezwinge ich den Berg. Blicke von unten empor. Und drehe alles auf den Kopf. Mühelos.

Also grübeln Sie nicht allzu ernsthaft über alles nach. Wir sind alle höchst unvollkommene Menschen (und damit meine ich alle - normalen und nicht ganz so normalen - Menschen), die in einer höchst unvollkommenen Welt leben. Naokos Lächeln

Naokos Lächeln von Haruki Murakami ist nur eine Liebesgeschichte. Und doch so viel mehr. Der Wunsch nach Erfüllung und Seelenverwandtschaft.  Toru Watanabe ist unauffällig. Durchschnitt. Er hat seinen besten Freund verloren und treibt seitdem durch Tokio. Erobert Frauen nur der Eroberung wegen. Ein paar Zärtlichkeiten im Austausch, um danach wieder in seinem grauen Alltag zu verschwinden. Er wirkt gelähmt, schafft es aber dennoch immer wieder, bei ganz bestimmten Mädchen ein Gefühl der Leidenschaft zu wecken. Dann verliebt sich. In die alte Liebe seines verstorbenen Freundes. Naoko. Ich mag Liebesgeschichten. Sehr sogar. Sie entführen mich in eine Traumwelt. In der irgendwann alles Sinn zu machen scheint. Nicht aber diese Geschichte. Sehr oft konfrontierte sie mich mit der Wirklichkeit. Mit Verzweiflung. Man kann Dinge nicht planen. Andere Menschen nicht steuern. Und auch die eigenen Gefühle nur schwer nachvollziehen. Toru Watanabe verliebt sich. Verliert sich. Und ich genoss jede Seite.